Behandlung ausgewählter Fälle des primären Hyperparathyreoidismus

Thermoablation bei Nebenschilddrüsenadenomen

Radiofrequenzablation als mögliche Option bei eindeutig lokalisierten Adenomen

Kleine Drüsen, wichtige Funktion

Was sind Nebenschilddrüsenadenome?

Die meisten Menschen besitzen vier Nebenschilddrüsen. Sie liegen üblicherweise hinter der Schilddrüse und bilden Parathormon (PTH). Dieses Hormon reguliert gemeinsam mit anderen Faktoren den Kalziumhaushalt über Knochen, Nieren und Darm.

Ein Nebenschilddrüsenadenom ist eine meist gutartige Vergrößerung einer Nebenschilddrüse. Produziert es zu viel Parathormon, kann dadurch ein primärer Hyperparathyreoidismus entstehen und der Kalziumspiegel im Blut ansteigen.

Ein vergrößerter Befund allein beweist die Erkrankung nicht.

Die Diagnose des primären Hyperparathyreoidismus wird anhand der Blutwerte gestellt. Die Bildgebung dient anschließend dazu, eine krankhaft aktive Drüse vor einer Behandlung zu lokalisieren.

Sicher abklären

Die Diagnose wird im Labor gestellt

Typisch ist eine wiederholt erhöhte Kalziumkonzentration zusammen mit einem erhöhten oder trotz des hohen Kalziums nicht ausreichend abgesenkten Parathormonwert. Die genaue Einordnung erfolgt fachärztlich und berücksichtigt mögliche andere Ursachen.

Blutwerte

Kalzium und Parathormon beurteilen

Kalzium und PTH werden in der Regel wiederholt bestimmt. Ergänzend können unter anderem Phosphat, Vitamin D und die Nierenfunktion wichtig sein.

Auswirkungen

Knochen und Nieren mitprüfen

Je nach Befund werden Knochendichte, Nierenfunktion, Urinkalzium und eine mögliche Steinbildung untersucht. Auch Beschwerden und Vorerkrankungen fließen in die Entscheidung ein.

Lokalisation

Die auffällige Drüse finden

Ultraschall und Szintigrafie sind häufige Verfahren. In ausgewählten Fällen können weitere Untersuchungen wie 4D-CT oder MRT hinzukommen. Die Bildgebung lokalisiert – sie ersetzt nicht die Labordiagnose.

Diagnostik und Therapieplanung richten sich nach dem individuellen Befund und aktuellen Leitlinien. [1]

Mögliche Folgen

Wie kann sich ein primärer Hyperparathyreoidismus auswirken?

Die Erkrankung kann lange ohne eindeutige Beschwerden verlaufen. Bei anderen Betroffenen zeigen sich Folgen des erhöhten Kalziums oder der anhaltenden Parathormonwirkung. Ausprägung und Kombination sind individuell.

Knochen

Eine langfristig erhöhte Parathormonwirkung kann die Knochendichte vermindern und das Risiko für Knochenbrüche erhöhen.

Nieren

Ein erhöhter Kalziumgehalt kann die Bildung von Nierensteinen begünstigen und die Nierenfunktion belasten.

Muskeln und Nervensystem

Möglich sind unter anderem Muskelschwäche, Konzentrationsprobleme oder eine verminderte Belastbarkeit. Diese Beschwerden sind jedoch nicht spezifisch.

Allgemeines Befinden

Manche Betroffene berichten über Müdigkeit, Verdauungsbeschwerden, vermehrten Durst oder häufigeres Wasserlassen.

Therapie richtig einordnen

Operation und Thermoablation

Etablierte Standardtherapie

Operative Entfernung

Wenn eine Behandlung angezeigt ist, gilt die Parathyreoidektomie als etablierter Standard. Dabei wird die krankhaft aktive Drüse operativ entfernt. Sie bietet langjährig untersuchte Heilungschancen und bleibt der maßgebliche Vergleich für andere Verfahren.

Option für ausgewählte Fälle

Thermoablation

Bei der Radiofrequenzablation wird eine feine Sonde unter Ultraschallkontrolle in das Adenom geführt. Wärme behandelt das Zielgewebe, ohne die Drüse über einen Hautschnitt zu entfernen. Sie kann insbesondere erwogen werden, wenn eine Operation nicht möglich ist oder nach ärztlicher Aufklärung abgelehnt wird.

Die Wahl des Verfahrens erfordert eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung. Operation und Ablation sind nicht für jede Person gleichwertige Möglichkeiten. [1] [2] [3]

Sorgfältige Auswahl

Wann kann eine Thermoablation infrage kommen?

Biochemische Diagnose bestätigt

Der primäre Hyperparathyreoidismus muss durch passende Laborwerte fachärztlich gesichert sein.

Ein einzelnes Adenom klar lokalisiert

Die Untersuchungen sollten übereinstimmend auf eine einzelne krankhaft aktive Nebenschilddrüse hinweisen.

Technisch sichere Lage

Größe, Form und Abstand zu Stimmbandnerv, Gefäßen, Speise- und Luftröhre müssen eine kontrollierte Behandlung erlauben.

Keine wesentlichen Ausschlussgründe

Ein Verdacht auf mehrere erkrankte Drüsen oder auf ein Nebenschilddrüsenkarzinom spricht gegen eine rein lokale Ablation.

Erfahrenes Behandlungsteam

Auswahl, Durchführung und Nachsorge sollten in einem spezialisierten Zentrum mit interdisziplinärer Expertise erfolgen.

Die Eignung lässt sich nicht allein anhand eines Ultraschallbildes beurteilen.

Erst das Gesamtbild aus Labor, Organfolgen, Lokalisation, Vorerkrankungen und persönlichen Behandlungszielen ermöglicht eine fundierte Entscheidung.

Schritt für Schritt

So läuft die Radiofrequenzablation typischerweise ab

Vorbereitung

Diagnose und Behandlungsbedarf prüfen

Das Behandlungsteam bewertet Laborwerte, Beschwerden, Organfolgen und vorhandene Befunde. Auch operative Möglichkeiten werden besprochen.

Planung

Adenom präzise lokalisieren

Ultraschall und weitere Bildgebung bestätigen Lage, Größe und Sicherheitsabstände. Die Nähe zum Stimmbandnerv wird besonders berücksichtigt.

Aufklärung

Nutzen, Alternativen und Risiken abwägen

Vor dem Eingriff werden Erfolgsaussichten, mögliche Nebenwirkungen, die Operation als Standardtherapie und die erforderliche Nachsorge erläutert.

Behandlung

Zielgewebe unter Ultraschallkontrolle behandeln

Die Sonde wird gezielt im Adenom positioniert. Die Wärmeabgabe erfolgt abschnittsweise und unter fortlaufender Bildkontrolle. Das genaue Betäubungs- und Behandlungskonzept richtet sich nach Zentrum und Befund.

Nachsorge

Kalzium, PTH und Volumen kontrollieren

Labor- und Ultraschallkontrollen zeigen, ob sich die Hormonwerte normalisieren und das behandelte Gewebe zurückbildet. Langfristige Kontrollen bleiben wichtig.

Aktuelle Studienlage

Ergebnisse realistisch einordnen

14

eingeschlossene Studien

Systematische Übersicht

Die 2024 veröffentlichte Übersichtsarbeit fasste überwiegend kleinere Studien zur Radiofrequenzablation zusammen.

163

behandelte Personen

Begrenzte Datenbasis

Ausgewertet wurden 167 erkrankte Nebenschilddrüsen. Größere Vergleichsstudien und längere Nachbeobachtungen fehlen weiterhin.

≈ 91 %

berichtete Gesamtheilungsrate

Gute Ergebnisse bei ausgewählten Fällen

Die zusammengefasste biochemische Heilungsrate ist ermutigend, aber keine persönliche Ergebniszusage.

Behandlungserfolg und Sicherheit hängen wesentlich von Patientenauswahl, eindeutiger Lokalisation, vollständiger Ablation und Erfahrung des Zentrums ab. Langzeitdaten sind noch begrenzt. [3]

Beispieldarstellung eines Nebenschilddrüsenadenoms vor und nach Radiofrequenzablation. Der Behandlungserfolg wird nicht aus dem Bild allein, sondern durch Verlaufskontrollen von Kalzium und Parathormon beurteilt.

Im Video: Grundlagen zur Thermoablation eines Nebenschilddrüsenadenoms.

Sicherheit

Mögliche Risiken und Grenzen

Die Thermoablation ist ein minimalinvasiver Eingriff, aber nicht frei von Risiken. Die persönliche Bewertung und Aufklärung müssen durch das behandelnde ärztliche Team erfolgen.

Vorübergehende Stimmveränderungen

Der Stimmbandnerv verläuft in unmittelbarer Nähe. Eine zeitweise Heiserkeit oder Stimmveränderung war in Studien die am häufigsten berichtete Nebenwirkung.

Lokale Beschwerden

Möglich sind Schmerzen, Druckgefühl, Schwellung oder ein Bluterguss im Behandlungsbereich.

Veränderungen des Kalziumspiegels

Nach der Behandlung können Abweichungen des Kalziumhaushalts auftreten und eine ärztliche Kontrolle oder Behandlung erforderlich machen.

Unvollständige Behandlung

Bleibt hormonaktives Gewebe zurück, können die Werte erhöht bleiben oder später wieder ansteigen. Dann sind weitere Maßnahmen notwendig.

Mehrdrüsenerkrankung übersehen

Sind mehrere Drüsen erkrankt, reicht die Behandlung eines einzelnen lokalisierten Befunds möglicherweise nicht aus.

In der systematischen Übersicht waren unvollständige Ablation und nicht erkannte Mehrdrüsenerkrankungen wichtige Gründe für einen ausbleibenden Erfolg. [3] [4]

Fachärztliche Einordnung

Prof. Dr. Dr. Hüdayi Korkusuz

Gründungsmitglied und wissenschaftlicher Beirat des DZTA e.V.

Vor einer lokalen Behandlung müssen die biochemische Diagnose und eine übereinstimmende Lokalisation gesichert sein. Danach ist gemeinsam zu prüfen, ob die etablierte Operation oder in einem ausgewählten Fall eine Thermoablation medizinisch sinnvoll ist.

Kurz beantwortet

Kurz beantwortet Häufige Fragen zu Nebenschilddrüsenadenomen

Dabei bildet eine oder mehrere Nebenschilddrüsen zu viel Parathormon. Häufig steigt dadurch der Kalziumspiegel im Blut. Die Diagnose wird anhand wiederholter Laborwerte und weiterer Untersuchungen fachärztlich gestellt.

Nein. Ultraschall und andere bildgebende Verfahren dienen vor allem der Lokalisation. Entscheidend für die Diagnose sind passende Blutwerte und die ärztliche Abklärung möglicher anderer Ursachen.

Ja. Wenn eine invasive Behandlung angezeigt ist, gilt die operative Entfernung der krankhaft aktiven Drüse als etablierter Standard. Die Thermoablation ist eine Option für sorgfältig ausgewählte Fälle.

Vor allem für Personen mit gesicherter biochemischer Diagnose, einem einzelnen eindeutig lokalisierten Adenom und technisch sicherer Lage, wenn eine Operation nicht möglich ist oder nach ärztlicher Aufklärung abgelehnt wird.

Die Behandlung kann je nach Zentrum und Befund unter örtlicher Betäubung und angepasster Schmerzmedikation erfolgen. Das konkrete Vorgehen legt das behandelnde Team individuell fest.

Entscheidend sind Verlaufskontrollen von Kalzium und Parathormon. Ultraschalluntersuchungen können zusätzlich zeigen, wie sich das behandelte Gewebe verändert.

Zu den möglichen Risiken gehören vorübergehende Stimmveränderungen, Schmerzen, Blutergüsse, Veränderungen des Kalziumspiegels und eine unvollständige Behandlung. Auch eine zuvor nicht erkannte Mehrdrüsenerkrankung kann den Erfolg begrenzen.

Eine Kostenübernahme lässt sich nicht pauschal zusagen. Sie sollte vor der Behandlung individuell und möglichst schriftlich mit der gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung geklärt werden.