Behandlung ausgewählter Fälle des primären Hyperparathyreoidismus
Radiofrequenzablation als mögliche Option bei eindeutig lokalisierten Adenomen
Die meisten Menschen besitzen vier Nebenschilddrüsen. Sie liegen üblicherweise hinter der Schilddrüse und bilden Parathormon (PTH). Dieses Hormon reguliert gemeinsam mit anderen Faktoren den Kalziumhaushalt über Knochen, Nieren und Darm.
Ein Nebenschilddrüsenadenom ist eine meist gutartige Vergrößerung einer Nebenschilddrüse. Produziert es zu viel Parathormon, kann dadurch ein primärer Hyperparathyreoidismus entstehen und der Kalziumspiegel im Blut ansteigen.
Die Diagnose des primären Hyperparathyreoidismus wird anhand der Blutwerte gestellt. Die Bildgebung dient anschließend dazu, eine krankhaft aktive Drüse vor einer Behandlung zu lokalisieren.
Typisch ist eine wiederholt erhöhte Kalziumkonzentration zusammen mit einem erhöhten oder trotz des hohen Kalziums nicht ausreichend abgesenkten Parathormonwert. Die genaue Einordnung erfolgt fachärztlich und berücksichtigt mögliche andere Ursachen.
Kalzium und PTH werden in der Regel wiederholt bestimmt. Ergänzend können unter anderem Phosphat, Vitamin D und die Nierenfunktion wichtig sein.
Je nach Befund werden Knochendichte, Nierenfunktion, Urinkalzium und eine mögliche Steinbildung untersucht. Auch Beschwerden und Vorerkrankungen fließen in die Entscheidung ein.
Ultraschall und Szintigrafie sind häufige Verfahren. In ausgewählten Fällen können weitere Untersuchungen wie 4D-CT oder MRT hinzukommen. Die Bildgebung lokalisiert – sie ersetzt nicht die Labordiagnose.
Diagnostik und Therapieplanung richten sich nach dem individuellen Befund und aktuellen Leitlinien. [1]
Die Erkrankung kann lange ohne eindeutige Beschwerden verlaufen. Bei anderen Betroffenen zeigen sich Folgen des erhöhten Kalziums oder der anhaltenden Parathormonwirkung. Ausprägung und Kombination sind individuell.
Eine langfristig erhöhte Parathormonwirkung kann die Knochendichte vermindern und das Risiko für Knochenbrüche erhöhen.
Ein erhöhter Kalziumgehalt kann die Bildung von Nierensteinen begünstigen und die Nierenfunktion belasten.
Möglich sind unter anderem Muskelschwäche, Konzentrationsprobleme oder eine verminderte Belastbarkeit. Diese Beschwerden sind jedoch nicht spezifisch.
Manche Betroffene berichten über Müdigkeit, Verdauungsbeschwerden, vermehrten Durst oder häufigeres Wasserlassen.
Wenn eine Behandlung angezeigt ist, gilt die Parathyreoidektomie als etablierter Standard. Dabei wird die krankhaft aktive Drüse operativ entfernt. Sie bietet langjährig untersuchte Heilungschancen und bleibt der maßgebliche Vergleich für andere Verfahren.
Bei der Radiofrequenzablation wird eine feine Sonde unter Ultraschallkontrolle in das Adenom geführt. Wärme behandelt das Zielgewebe, ohne die Drüse über einen Hautschnitt zu entfernen. Sie kann insbesondere erwogen werden, wenn eine Operation nicht möglich ist oder nach ärztlicher Aufklärung abgelehnt wird.
Der primäre Hyperparathyreoidismus muss durch passende Laborwerte fachärztlich gesichert sein.
Die Untersuchungen sollten übereinstimmend auf eine einzelne krankhaft aktive Nebenschilddrüse hinweisen.
Größe, Form und Abstand zu Stimmbandnerv, Gefäßen, Speise- und Luftröhre müssen eine kontrollierte Behandlung erlauben.
Ein Verdacht auf mehrere erkrankte Drüsen oder auf ein Nebenschilddrüsenkarzinom spricht gegen eine rein lokale Ablation.
Auswahl, Durchführung und Nachsorge sollten in einem spezialisierten Zentrum mit interdisziplinärer Expertise erfolgen.
Erst das Gesamtbild aus Labor, Organfolgen, Lokalisation, Vorerkrankungen und persönlichen Behandlungszielen ermöglicht eine fundierte Entscheidung.
Das Behandlungsteam bewertet Laborwerte, Beschwerden, Organfolgen und vorhandene Befunde. Auch operative Möglichkeiten werden besprochen.
Ultraschall und weitere Bildgebung bestätigen Lage, Größe und Sicherheitsabstände. Die Nähe zum Stimmbandnerv wird besonders berücksichtigt.
Vor dem Eingriff werden Erfolgsaussichten, mögliche Nebenwirkungen, die Operation als Standardtherapie und die erforderliche Nachsorge erläutert.
Die Sonde wird gezielt im Adenom positioniert. Die Wärmeabgabe erfolgt abschnittsweise und unter fortlaufender Bildkontrolle. Das genaue Betäubungs- und Behandlungskonzept richtet sich nach Zentrum und Befund.
Labor- und Ultraschallkontrollen zeigen, ob sich die Hormonwerte normalisieren und das behandelte Gewebe zurückbildet. Langfristige Kontrollen bleiben wichtig.
Die 2024 veröffentlichte Übersichtsarbeit fasste überwiegend kleinere Studien zur Radiofrequenzablation zusammen.
Ausgewertet wurden 167 erkrankte Nebenschilddrüsen. Größere Vergleichsstudien und längere Nachbeobachtungen fehlen weiterhin.
Die zusammengefasste biochemische Heilungsrate ist ermutigend, aber keine persönliche Ergebniszusage.
Behandlungserfolg und Sicherheit hängen wesentlich von Patientenauswahl, eindeutiger Lokalisation, vollständiger Ablation und Erfahrung des Zentrums ab. Langzeitdaten sind noch begrenzt. [3]
Beispieldarstellung eines Nebenschilddrüsenadenoms vor und nach Radiofrequenzablation. Der Behandlungserfolg wird nicht aus dem Bild allein, sondern durch Verlaufskontrollen von Kalzium und Parathormon beurteilt.
Im Video: Grundlagen zur Thermoablation eines Nebenschilddrüsenadenoms.
Die Thermoablation ist ein minimalinvasiver Eingriff, aber nicht frei von Risiken. Die persönliche Bewertung und Aufklärung müssen durch das behandelnde ärztliche Team erfolgen.
Der Stimmbandnerv verläuft in unmittelbarer Nähe. Eine zeitweise Heiserkeit oder Stimmveränderung war in Studien die am häufigsten berichtete Nebenwirkung.
Möglich sind Schmerzen, Druckgefühl, Schwellung oder ein Bluterguss im Behandlungsbereich.
Nach der Behandlung können Abweichungen des Kalziumhaushalts auftreten und eine ärztliche Kontrolle oder Behandlung erforderlich machen.
Bleibt hormonaktives Gewebe zurück, können die Werte erhöht bleiben oder später wieder ansteigen. Dann sind weitere Maßnahmen notwendig.
Sind mehrere Drüsen erkrankt, reicht die Behandlung eines einzelnen lokalisierten Befunds möglicherweise nicht aus.
Gründungsmitglied und wissenschaftlicher Beirat des DZTA e.V.
Vor einer lokalen Behandlung müssen die biochemische Diagnose und eine übereinstimmende Lokalisation gesichert sein. Danach ist gemeinsam zu prüfen, ob die etablierte Operation oder in einem ausgewählten Fall eine Thermoablation medizinisch sinnvoll ist.
Dabei bildet eine oder mehrere Nebenschilddrüsen zu viel Parathormon. Häufig steigt dadurch der Kalziumspiegel im Blut. Die Diagnose wird anhand wiederholter Laborwerte und weiterer Untersuchungen fachärztlich gestellt.
Nein. Ultraschall und andere bildgebende Verfahren dienen vor allem der Lokalisation. Entscheidend für die Diagnose sind passende Blutwerte und die ärztliche Abklärung möglicher anderer Ursachen.
Ja. Wenn eine invasive Behandlung angezeigt ist, gilt die operative Entfernung der krankhaft aktiven Drüse als etablierter Standard. Die Thermoablation ist eine Option für sorgfältig ausgewählte Fälle.
Vor allem für Personen mit gesicherter biochemischer Diagnose, einem einzelnen eindeutig lokalisierten Adenom und technisch sicherer Lage, wenn eine Operation nicht möglich ist oder nach ärztlicher Aufklärung abgelehnt wird.
Die Behandlung kann je nach Zentrum und Befund unter örtlicher Betäubung und angepasster Schmerzmedikation erfolgen. Das konkrete Vorgehen legt das behandelnde Team individuell fest.
Entscheidend sind Verlaufskontrollen von Kalzium und Parathormon. Ultraschalluntersuchungen können zusätzlich zeigen, wie sich das behandelte Gewebe verändert.
Zu den möglichen Risiken gehören vorübergehende Stimmveränderungen, Schmerzen, Blutergüsse, Veränderungen des Kalziumspiegels und eine unvollständige Behandlung. Auch eine zuvor nicht erkannte Mehrdrüsenerkrankung kann den Erfolg begrenzen.
Eine Kostenübernahme lässt sich nicht pauschal zusagen. Sie sollte vor der Behandlung individuell und möglichst schriftlich mit der gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung geklärt werden.
Redaktioneller Stand: 15. August 2026
Diese Seite dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder individuelle Therapieempfehlung.